Mittwoch, 11. Mai 2011

Die Mehrheit der Piraten will Liquid Feedback, jedoch nur ein deutlich besseres

Die Debatte um die innerparteiliche Meinungs- und Abstimmungsplattform Liquid Feedback möchte ich heute erneut mit Zahlen unterlegen und in einigen Bereichen damit vielleicht beenden. Die Umfrage ergibt unter anderem:
.
  • Die deutliche Mehrheit sieht in Liquid Feedback einen Fortschritt und ist gegen jegliche Abschaltung
  • Die Mitglieder wollen jedoch, dass Liquid Feedback "endlich" besser wird
  • Es gibt deutliche Kritik, dass die Ergebnisse der Parteibasis bisher nur wenig Ernst genommen wurden. 
Die Ergebnisse habe ich in ein einem etwas längerem Dokument zusammengefasst:


Ich freue mich auf Eure Kommentare hier im Blog und Eure Anregungen zur weiteren Auswertung im Piratenpad.


Als Anreißer gibt's hier nen paar Visualisierungs-Beispiele:









(Die Internet-Partei!! ;) )



Wie ihr schon gemerkt habt, ist all das nur ein Bruchteil, nämlich der, der sich um Liquid Feedback und die innerparteiliche Demokratie drehte. Wenn ihr bei der weiteren Auswertung helfen könnt: Ich suche dringend Helfer

Zum einen Leute, die weitere SPSS Analysen berechnen können. Zum anderen Leute die die Freitexte auswerten können. Ihr müsst Euch dafür bei mir melden und eine Datenschutzerklärung unterschreiben. Denn die Rohdaten werde ich - wie gegenüber den Umfrage-Teilnehmer versprochen - nicht veröffentlicht.  

Wenn ihr helfen wollt / könnt, meldet Euch bitte bei mir

Kommentare:

  1. Ahoi Sebastian,

    Zuerst mal: Danke für die Arbeit! Die Möglichkeit, unsere Streitereien zumindest teilweise mit Zahlen zu untermauern, ist enorm wichtig.

    Dennoch muss ich deine Interpretation der Ergebnisse - wie schon bei der Novemberumfrage - kritisieren. Du lässt geschickt die delegationsbezogene Kritik außen vor, obwohl sie durchaus Erwähnung findet (z.B. gehst du auf die nachweisliche Angst vor hoher Delegationsmacht so gut wie garnicht ein), auch andere Kritikpunkte werden übergangen (fehlende Diskussionsmöglichkeit, keine Ausrichtung auf Konsensfindung).

    Kurzum: in deinem Fazit finden sich nur Kritikpunkte wieder, die relativ schmerzfrei und ohne jegliche Infragestellung der Grundvoraussetzungen von LD/LQFB behoben werden können - ein Bild, das sich leider als typisch für die Debatte herausstellt.

    Grüße,
    Boris

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  2. Hallo Boris,

    wir hatten die Debatte ja schon auf der Open-Liquid. Meine Interpretation ist noch recht zurückhaltend finde ich.

    Aus der Umfrage kommt ganz klar heraus, dass es zwar eine Gruppe gibt, die Delegationen kritisch gegenüber stehen, eine Mehrheit stellen sie jedoch nicht.

    Besonders bei der Gruppe die sich selten einloggt, finde ich es ja so bezeichnend, dass viele angeben, dass sie zwar Angst haben davor, dass populäre Piraten viele Stimmen sammeln, aber Delegationen nicht grundsätzlich ablehnen.

    Zeige mir bitte die Zahlen die Deiner Meinung nach etwas anderes aussagen. Sie liegen ja nun vor.

    Übrigens hab ich auch in meinem Fazit Veränderungen bei den Delegationen vorgeschlagen: Sie müssen transparenter LQFB muss (meiner Meinung nach) um einen Marktplatz für Delegationsempfänger erweitert werden, wo man sagen kann "hier ich will" Delegationen...

    Gruß, Sebastian

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  3. Weißt du, das erinnert mich ein bisschen an den Blogpost von Jens Seipenbusch, wo er das Meinungsbild "Wir haben kein BGE beschlossen" als "Piraten sind gegen BGE" umdeutet. Ich lehne ja Delegationen auch nicht grundsätzlich ab - auf der OpenLiquid habe ich ja auch geschildert, wie Delegationen ohne die jetzige Verzerrung der Machtverhältnisse umgesetzt werden könnten. Dass du die 40%, die Befürchtungen bezüglich der Delegationsmacht äußern (ich nahme da die Werte 5 und 6) in deinem Fazit mit keinem Wort erwähnst, finde ich schon gewagt.

    Übrigens hab ich auch im Liquidizer-Blogpost auf deine Fragen geantwortet;)

    Grüße,
    Boris

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  4. @Boris:

    Wir haben derzeit eine Delegationsmacht von 12000 Piraten auf eine Handvoll Vorstandsmitglieder. Wie lauten denn da deine Befürchtungen so?

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  5. Erstmal danke für deine Bemühungen (!), auch wenn wir rund um LD und LQFB häufig gegensätzlicher Meinung sind.

    Ich würde die Ergebnisse zur Frage ob LQFB abgeschaltet werden soll, nicht so interpretieren, dass wir LQFB wollen. Ich habe da ebenfalls mit ganz klar nein gestimmt, jedoch will ich nicht unbedingt LQFB, sondern ich möchte ein Online-Tool, mit dem die Basis eine Möglichkeit hat Anträge zu erarbeiten und Meinungsbilder abzurufen. Ob das LQFB oder ein anderes Tool ist, ist mir eigtl. vollkommen egal, ich will auch nicht dass der Liquidizer, Lime Survey und andere Dinge abgeschalten werden.

    Meine Probleme mit LQFB sehe ich auch im wesentlichen in den Ergebnissen wieder, dass die auch andere teilen.
    http://www.sebastianjabbusch.de/wp-content/uploads/2011/04/Piraten_Umfrage_Liquid%20Feedback.pdf

    Ergebnisse zentraler Diagramme:
    * Seite 18: "Ich befürchte, dass Delegationen nach Popularität verteilt werden" finde ich sehr kritisch, schade, dass du die Frage nicht so gestellt hast "Ich bin der Meinung, dass Delegationen nach Popularität und nicht nach Fachwissen verteilt werden" bzw. "Ich bin der Meinung, dass nur ein Experte einen anderen Experten erkennen kann und somit Delegationen sehr schnell bei Populisten und nicht bei Experten landen" und darauf aufbauend noch "Ich konnte dass auch so in LQFB nachvollziehen"
    * Seite 21: "LQFB ist mir zu sehr auf Abstimmungen und die Macht der Mehrheit ausgelegt. Konsensdemokratie, Minderheitenschutz und Kompromisse fehlen mir" sieht auch sehr bedenklich aus
    * Seite 22: "LQFB ist zu kompliziert" hier sollte man auch bedenken, dass die Oberfläche von der gewünschten Funktionalität abhängt, es also nicht ausreicht einfach ein paar Buttons anders anzuordnen und Farben zu ändern, denn das gesamte Konzept dahinter (ich denke vor allen die teils überflüssigen Phasen) sind ein Problem. Aber gut, hier haben wir keine genaueren Umfrageergebnisse dazu.
    * Seite 23: "LQFB ist mir zu zeitaufwendig" zeigt meiner Meinung deutlich, dass LD nach LQFB es nicht schafft das Zeitproblem zu lösen, also genau das was doch das wichtigste Ziel von delegated voting war?
    * Seite 26: "Ich stehe dem Delegationsprinzip kritisch gegenüber" scheint auch sehr deutlich zu sein, dass es da eine große Anzahl Mitglieder bei uns gibt, wird bei der nächsten Frage "Delegationen widersprechen meinem Verständnis von Basisdemokratie" auch nochmal bestätigt.
    * Seite 28: "Ich vermisse die Möglichkeit zu überprüfen, was mit meiner Delegation passiert" sehr bedenklich, das Ergebnis hier

    und jetzt das Kernproblem:
    * Seite 32: "Was würde dein Engagement (wieder) steigern", wo "LQFB müsste von den Piraten stärker genutzt werden" einen extrem langen Balken hat. Man sieht also, dass das Konzept hinter LQFB zu Passivität geführt hat und deshalb auch keiner mehr mitmacht bzw. das was dort drin noch aktiv passiert so gut wie niemandem ausreicht. Und das ist das größte Problem von allen, und die Folgen dieses Problems welche durch Passivität im Zusammenhang mit Delegationen auftreten, hat Streetdogg ja auch schon sehr gut dargestellt. Ich stelle auch immer wieder selbst fest, dass ich einer von ganz ganz wenigen bin, der überhaupt noch weiß, was in diesem System so entschieden wird und wurde. Und da gibt es ernsthaft Leute, welche das Tool bzw. das Konzept hinter diesem Tool in der Satzung verankern wollen...

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  6. Fehlt nur noch Jens Seipenbusch, dann haben wir alle Kritiker bald versammelt ;)

    Ne Spaß beiseite - danke für den Kommentar. Antwort kommt noch !

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  7. Seite 3:
    Ich halte die Aussagekraft der Frage über die Beteiligung für sehr gering. Es steht außer Frage, dass einige das System zumindest ausprobiert haben, aber daraus auf eine hohe Beteiligungsquote zu schließen halte ich für mutig.
    Ferner hätte es für den Punkt die Umfrage nicht gebraucht, da die Zahlen wieviele sich registriert haben und wieviele schonmal abgestimmt haben ja auch aus dem System vorliegen. Die unteren beiden Torten ergeben aber natürlich trotzdem interessante Erkenntnisse, nur aber halt nicht über die Beteiligungsquote.

    Seite 5:
    Wenn ich das mal grob überschlage sind links der Mitte knapp 450 Personen. Also ein bischen Bedürfnis zur Veränderung scheint ja doch da zu sein.

    Seite 7:
    Die Anmerkung scheint mir etwas Kaffeesatz-Leserei zu sein. ;)
    Die Verteilung sieht ja recht ähnlich aus wie die eine Grafik drüber. Was führt dich zu der Aussage, dass die Bewertung etwas mit dem Verhalten des Vorstands zu tun hat? Das beide Grafiken so ähnlich sind, wäre für mich jetzt eher ein Indiz dafür, dass viele Leute keinen Unterschied zwischen beiden Fragen machen und das Tool einfach allgemein wichtig oder unwichtig finden. Die leichte Differenz deutet wohl daraufhin, dass es für die Ausarbeitung von Position allgemein etwas wichtiger gesehen wird, als für eine Einflussnahme auf den Vorstand. Ich sehe damit aber nichts, wodurch man auf die Gründe dafür schließen könnte.

    Seite 8/9:
    Total egal scheint es jawohl mal nur 57,4% der Nutzer und 43,5% der Nicht-Nutzer zu sein. Und 12,1% nutzen das System offenbar trotz Angst?! Arme geschundene Seelen. ;)
    Also sind es etwa 120 Nutzer, die sogar _Angst_ wegen dem Datenschutz-Thema haben und nochmal ca. 70 für die Datenschutz ein Grund war sich gar nicht erst zu registrieren. 190 unzufriedene Kunden würde ich das mal nennen. Bei den verbliebenen Nutzerzahlen scheint mir das ein wenig viel, um es wegzumarginalisieren, vor allem, da das ja nur die absolute Zahl unter den Teilnehmern der Umfrage ist.

    Seite 13:
    Du fragst hier nach einer Einschätzung und interpretierst das dann als Kritik?! Ich denke die erste Grafik erlaubt keine Aussage darüber, ob die Umfrage-Teilnehmer das nun gut oder schlecht finden. Die zweite Grafik scheint mir ein bischen ein Zwischending zu sein. Das kann man als Befragter so interpretieren, dass man gefragt wird, ob man will, dass LQFB weniger Macht hat, oder ob man findet, dass andere die Macht von LQFB unrealistisch einschätzen.

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  8. Seite 14:
    Wenn ich das richtig verstanden habe, werden hier die 240 Leute, die grob wissen was LQFB ist, sich aber trotzdem nicht angemeldet haben, nach ihren Gründen befragt. Daraus Rückschlüsse über die Auswirkung der Debatte zu ziehen, halte ich für, äh, mutig. Das sind ja nur die Leute, die gar nicht erst auf die mutmaßlich verbrannte Erde gegangen sind.

    Seite 15:
    Die Gruppe der Kaum-Noch- oder Garnicht-Nutzer mit Datenschutzbedenken ist mit ca. 90 ungefähr gleich groß, wie die der Wöchentlich- und Häufiger-Nutzer. Wo du kein großes Thema siehst, sehe ich ein Verdopplungspotenzial. ;)
    Zumindest müsste man bei den Zahlen auch sagen, dass Power-User kein großes Thema sind, wenn man mal gleiche Maßstäbe anlegt.

    Seite 18:
    Naja, man könnte auch sagen Delegationen werden eher wenig aus dem Grund genutzt sich dann nicht mehr selbst kümmern zu müssen. Ich denke das würde der Fragestellung präziser Rechnung tragen. Man kann ja auch noch delegiert haben, aber die Nutzung aus einem anderen Grund eingeschränkt haben.
    Bei der unteren Frage ist mir der Zusammenhang zu Delegationsmacht nicht klar. Die Frage fragt danach auf jeden Fall nicht, sondern wie man die Gründe für Delegationen einschätzt.

    Seite 19:
    Unter den Schwachaktiven immerhin ca. 25% Ablehnung. Und das war sogar noch vor meinem Blogposting. Das macht mir ja direkt Mut. :P
    Zu unten: Du leitest aus fehlendem Interesse ab, dass die Leute kein Problem mit der Software haben? Mutig, mutig...

    Seite 30:
    Wo spiegelt die Grafik irgendetwas über LQFB wieder!? Das LQFB bzw. dessen Probleme hier ein sonderlich großer Faktor wäre, klingt für mich eher nach Spekulation. Kann sein, kann aber auch total anders sein.

    Seite 32:
    Punkt 1: Die Frage hierzu muss ich überlesen haben. Das scheint mir völlig aus der Luft gegriffen.
    Punkt 4: Ich bin ja oben schon allein auf 190 Personen gekommen, denen das Thema offenbar nicht gerade egal ist. Wenn man auf die scheißen will, kann man die Diskussion natürlich begraben. Das muss wohl jeder für sich selbst wissen.


    So, das mal meine Anmerkungen zu den Interprationen.
    Ansonsten Danke für die Arbeit. :)

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  9. dein Kommentar "Wenig überraschend: Die registrierten Nutzer machen sich keine Sorgen
    über Datenschutz, sonst hätten sie sich wahrscheinlich auch nicht registriert ;). Ich wollte es trotzdem abprüfen, da es eines "der" Argumente gegen Liquid Feedback war und ist." hat mich nachdenklich gestimmt.
    Auf welcher Grundlage ziehst du diese Verknüpfung? Gab es eine Frage "Wie wichtig von 6-1 (sehr bis überhaupt nicht) ist dir Datenschutz"? Und kam dabei heraus, dass die Mehrheit keine Priorität auf Datenschutz legt? Falls nein, ist das eine ziemlich anmaßende Zuweisung.

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